Ballon

„Der Schuh des Manitu“, „(T)Raumschiff Surprise“ und zuletzt „Bullyparade der Film“: Dass Michael „Bully“ Herbig lustig sein kann, weiß jeder. Doch was ist mit einem ernsten Film? Daran wagt sich Herbig in seinem neuen Streifen „Ballon“.

Der Film erzählt die Geschichte von zwei Familien, die aus der DDR in den Westen fliehen wollen. Dafür wollen sie die innerdeutsche Grenze mittels eines selbstgebauten Heißluftballons überqueren. Nachdem ein erster Versuch missglückt ist, muss ein neuer, wesentlich größerer Ballon gebaut werden, was die Materialbeschaffung um einiges schwieriger macht. Außerdem hat die Stasi die Ermittlungen aufgenommen und versucht mithilfe der Indizien des ersten, nur kurz vor der Grenze abgestürzten Ballons, die Hauptpersonen zu fassen. Dabei entsteht für alle Beteiligten ein Wettlauf gegen die Zeit, was dem Film einen riesigen, sich fast über den gesamten Film erstreckenden Spannungsbogen beschert.

Was sich im ersten Moment durchaus positiv anhört sieht in der Realität etwas anders aus. Denn der Film versucht durchgehend, spannend zu sein. Das führt dazu, dass die Spannung stellenweise sehr „gepresst“ wirkt, z.B. durch eine fast durchgehend spannungsüberfrachtete Filmmusik die zwar zum Großteil sehr passend ist, aber teilweise versucht, unnötige Spannung zu generieren. Die Schnitte sind relativ schnell, was dem Film den Hauch eines Action-Films verleiht und damit wieder versucht, noch ein Quäntchen mehr Spannung hineinzudrücken. Durch diese „Überladung“ mit Spannung verliert der Zuschauer immer wieder den Fokus. Zwei Stunden nahezu durchgehende Spannung sind einfach zu viel des Guten. Dadurch verliert der Film auch einen Teil seiner Intensität. Außerdem werden wirklich zum Zerreißen spannende Szenen – wie z.B. das Gespräch der Kindergärtnerin mit dem Sohn einer der Familien, welches auch in einem der Trailer gezeigt wird – in der Summe entwertet.

Das ist unglaublich schade. Mit seiner Nähe zum realen Geschehen vermittelt der Film eindrucksvoll die Verhältnisse in der DDR und die Sehnsucht der Protagonisten nach Freiheit. Alles in allem ein empfehlenswerter Film, auch wenn er seine Schwächen hat. Besonders hervorzuheben ist, dass sich der Film bis auf wenige Szenen nicht nach einem Film von Herbig anfühlt. Und ebenso ein Beweis, dass der deutsche Mainstream-Film mehr zu bieten hat als platte Komödien und Til Schweiger.

Bastian Weber ist Co-Chefredakteur und einer der Gründer des Hochformats sowie Leiter der Ressorts "Politik" und "Europa". Ihm liegen die Europäische Idee und der Kampf gegen die Klimakrise besonders am Herzen. Bastian Weber ist außerdem zuständig für Grafik, Design und die audiovisuellen Inhalte des Hochformats.

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