Zeitungen und Nachrichtenmagazine Eine Analyse der deutschen Medienlandschaft

Die US-amerikanische Medienlandschaft ist geprägt von den Monopolstellungen einiger weniger profitorientierter Unternehmen. Eine Problematik, deren Ausweitung auf die deutsche Medienlandschaft nun auch in der Bundesrepublik immer häufiger Diskussionsgegenstand ist. Die deutsche Medienbranche ist längst ein zentraler Bestandteil der deutschen Wirtschaft geworden. Internationale Großunternehmen verdienen in Deutschland Milliarden mit dem Mediengeschäft. Ein weitverflochtenes Netz aus Besitz- und Anteilsverhältnissen an und von Unternehmen durchzieht die deutsche Medienlandschaft; für Journalisten wie für Rezipienten undurchschaubar. Vor diesem Hintergrund ergibt sich die Frage, ob die deutsche Medienlandschaften nicht auch bereits von Monopolstellungen einiger weniger Unternehmen gekennzeichnet ist und so womöglich der für unsere demokratische Gesellschaft essentielle mediale Pluralismus gefährdet ist.

Durch die Analyse verschiedene Bereiche der deutschen Medienlandschaft wollen wir unseren Leserinnen und Lesern die Möglichkeit geben, sich selbst ein Urteil darüber zu bilden. Aus dieser Zielstellung heraus ergibt sich der Objektivitäts- und Neutralitätsanspruches der nun folgenden, ersten Untersuchung, die sich den deutschen Zeitungen und Nachrichtenmagazinen widmet.

Zeitungen und Nachrichtenmagazine

Trotz des starken Rückgangs verkaufter Auflagen und Abonnements haben die deutschen Zeitungen noch immer eine zentrale Stellung in der deutschen Medienlandschaft inne. So erschienen nach einem wissenschaftlichen Gutachtens des Hans-Bredow-Instituts an der Universität Hamburg aus dem Jahr 2017 allein im August 2016 333 Tageszeitungen mit einer verkauften Auflage von insgesamt 15,3 Millionen Exemplaren.

Unter den in einer Umfrage unter Journalisten aus dem Jahr 2005 genannten deutschen Leitmedien befanden sich fast ausschließlich überregionale Zeitungen und Nachrichtenmagazine; führend die Süddeutsche Zeitung, DER SPIEGEL, die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die ZEIT und BILD. Die Untersuchung der Besitzverhältnisse bei den genannten Zeitungen bzw. Magazinen gestaltete sich als nicht allzu schwer und aufwendig, lassen sich doch die dafür notwendigen Informationen in der Online-Enzyklopädie Wikipedia finden. Die Besitzverhältnisse bei der Bild-Zeitung als Flaggschiff des Axel-Springer-Verlages sind sicher wenig bemerkenswert. Auch, dass der Verlag Gruner + Jahr – eine Tochtergesellschaft des Medienriesens Bertelsmann – 25,5% Anteile am Spiegel-Verlag und damit die Sperrminorität hat, dürfte inzwischen allgemeinhin bekannt sein. Vielmehr fanden wir mit Überraschung, dass die FAZ als einziges der genannten Leitmedien mehrheitlich der FAZIT-STIFTUNG und damit einer Verlagsgesellschaft gehört, die von den Verlegern der FAZ mit der Absicht gegründet wurde, „die redaktionelle und unternehmerische Unabhängigkeit der Zeitung wirkungsvoll und dauerhaft“ zu sichern. Einem ähnlichen Modell folgt auch die britische Zeitung The Guardian.

Dies sind nur einige repräsentative und bekannte Beispiele für die Gesamtsituation auf dem deutschen Zeitungsmarkt. Um ein repräsentative Aussage über die Besitzverhältnisse auf dem gesamt-deutschen Zeitungsmarkt treffen zu können, haben wir eine Datenbank mit den 122 deutschen Zeitungen mit einer Auflage von mehr als 30.000 Exemplaren im 2. Quartal 2018 und deren Besitzverhältnissen erstellt. Eine tabellarische Darstellung finden Sie unterhalb des Artikels, unsere Auswertungsergebnisse folgen hier im Anschluss.

Auswertung der Untersuchung

Die in den Diagrammen dargestellten Verhältnisse beziehen sich auf die Verteilung der Gesamtauflage der von uns untersuchten deutschen Zeitungen und Nachrichtenmagazine. Der größte Teil der in der Statistik und Datenbank erfassten Zahlen sind − sofern in der Datenbank nicht anders vermerkt − der Auflagenliste der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V. (IVW) für das 2. Quartal 2018 entnommen.

Die vollständige verbreitete Auflage der jeweiligen Zeitung haben wir dem Medienunternehmen zugerechnet, das über mehr als 25% der Anteile an der jeweiligen Zeitung (oder deren Verlag) verfügt. Das Unternehmen hat somit die Sperrminorität an der Zeitung (oder deren Verlag) und kann so beispielsweise Entschlüsse, bei denen eine Mehrheit von 75% erforderlich ist, verhindern. Bei unserer Recherche kristallisierten sich die im Folgenden aufgeführten deutschen 15 Medienunternehmen heraus, die signifikante Anteile an besonders auflagenstarken oder vielen Zeitungen (oder deren Verlage) halten.

 

Anmerkung zur Verrechnung der Auflagenstärken

Die Auflagen einiger Zeitungen, wie der Stuttgarter Zeitung und der Stuttgarter Nachrichten, werden nur zusammen bekannt gegeben und stehen in der Datenbank deshalb in einer Zeile. Wir haben die Besitzverhältnisse an diesen Zeitungen trotzdem nach Möglichkeit einzeln aufgeführt. Im Falle der beiden genannten Zeitungen mussten wir die Auflage der zur Südwestdeutschen Medien Holding (SWMH) gehörenden Stuttgarter Zeitung von den angegeben 202.000 anhand älterer Auflagenzahlen schätzen, um nur die Auflagenzahlen der Stuttgarter Zeitung der SWMH zuzurechnen.

Die Untersuchungsergebnisse sind in den folgenden Diagrammen dargestellt.

 

Beteiligungen großer Unternehmen an den untersuchten 122 deutschen Zeitungen

Verteilung der Gesamtauflage der untersuchten Zeitungen von 16,916 Millionen Exemplaren

Verteilung der Gesamtauflage der untersuchten Zeitungen nach Medienunternehmen

 

Monopolstellungen

In Thüringen hat die Funke Mediengruppe über die zum Unternehmen gehörende Zeitungsgruppe Thüringen monopol-ähnliche Stellung inne. Einzige Thüringer Zeitung mit einer verbreiteten Auflage von mehr als 30.000 Exemplaren, die nicht zur Funke Mediengruppe gehört, ist die mehrheitlich der Südwestdeutsche Medien Holding gehörende regionale Tageszeitung Freies Wort.

Datenbank

In der folgenden Tabelle sind alle von uns untersuchten Zeitungen und Nachrichtenmagazine in Deutschland aufgelistet. Neben der verbreiteten Auflage im 2. Quartal 2018 sind der Verlag sowie Beteiligungen der 15 oben aufgeführten Medienunternehmen mit Erläuterungen zu den Anteils- und Besitzverhältnissen aufgeführt.

>>>Download der Datenbank als PDF-Datei<<<

 

 

 

Die Chefredaktion bilden die beiden Gründer des Hochformats Bastian Weber und Valentin Petri.

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