Extinction Rebellion Kurz und Knapp - Information und Meinung

Heute also der zweite Tag der Blockaden von “Extinction Rebellion”, der “Rebellion gegen das Aussterben”, der radikaleren Gruppierung rund um die globale Klimaschutzbewegung und Fridays for Future.

Während die Aktivisten von #FFF durch Demonstrationen und Schulstreik aufmerksam machen, will Extinction Rebellion, kurz XR, durch Aktionen des zivilen Ungehorsams, hauptsächlich Sitzblockaden, das öffentliche Leben stören. Der Hauptfokus liegt, wie sollte es auch anders sein, auf Berlin. Wie gestern am Potsdamer Platz soll z.B. vor dem Reichstag, dem Kanzleramt und an anderen prominenten Orten friedlicher Protest stattfinden, das Vorbild dabei ist London. Dort hatten 6000 Aktivist*innen elf Tage mehrere Verkehrsknoten und damit ganze Stadtviertel lahmgelegt, das blüht nun also auch Berlin. XR will damit seine sehr ambitionierten Ziele durchsetzen, so wollen seine Mitglieder, dass Deutschland seine Emissionen bis 2025 auf null senkt und der Klimaschutz an der parlamentarischen Demokratie vorbei von Räten vorangetrieben wird. Außerdem wollen sie dabei noch eben den Großteil der Bevölkerung überzeugen.


Punkt eins: das Ziel der Klimaneutralität bis 2025 ist utopisch und nicht umsetzbar.

Punkt zwei: um das eigentliche Ziel, die Klimaneutralität, durchzusetzen, muss man zuerst gesellschaftliche Mehrheiten organisieren um dann politisch auch wirklich Veränderung herbeiführen zu können. Wie wäre es also, für den Klimaschutz zu werben, anstatt  Sympathien zu verspielen und sich für die Gegner des Klimaschutzes angreifbar zu machen? Sollte man nicht lieber im Kontakt mit Bürger*innen, die mit Klimaschutz nichts am Hut haben, für mehr Unterstützung werben, anstatt sie durch Ärger über Blockaden auf die Seite der Klimawandel-“Skeptiker” zu treiben? Dabei stellt sich dann die Frage, ob es den Willen, das Klima zu schützen derjenigen hebt, die da blockiert werden.

Punkt drei: die Gewaltfreiheit des Protestes, die sich auf Gandhi bezieht, wurde bisher vollständig eingehalten. Das muss unbedingt so bleiben, denn sobald Bilder der Gewalt auftauchen, werden die Vorwürfe der Protestgegner wahr gemacht und noch mehr Sympathien verspielt. Die Gewaltfreiheit ist der größte Trumpf von XR, aber auch das größte Risiko für die Bewegung.

Letztendlich ist die Existenz von XR, die übrigens schon vor Fridays for Future als Organisation entstand, ein natürlicher Vorgang und nichts der globalen Klimaschutzbewegung eigenes. Es gibt bei jeder breiteren gesellschaftlichen Bewegung irgendwann die Spaltung zwischen den Moderaten, die lieber große Massen und damit dann kleine Erfolge erreichen wollen, und denjenigen, die die “reine Lehre” vertreten und bereit sind, für die eigene moralische Überlegenheit zu scheitern. Und dabei nichts zum Fortschritt des eigenen Anliegens beizutragen oder ihm sogar zu schaden. Ist XR für #FFF also wie die Black Panther für das Civil Rights Movement oder die RAF für die APO? Nein, definitiv nicht. XR ist zwar genauso eine Gruppierung mit radikaleren Zielen und Methoden, die entscheidenden Unterschiede sind aber einerseits das sehr vernünftige Ziel, diese Welt vor dem Klimakollaps zu bewahren, vor allem ist es aber die radikale Gewaltfreiheit.


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